Sonntag, 31. Oktober 2010

5. PornFilmFestival Berlin (5) - Modern Love Is Automatic - Review

Modern Love Is Automatic war der lakonisch unverklemmte Eröffnungsfilm des 5. Berliner PornFilmFestival Berlin 2010.
USA 2009, Regie: Zach Clark, Länge: 93 Min.,
mit Melodie Sisk (Lorraine Schultz), Maggie Ross (Adrian), Hannah Bennett (Alaina) u.a.

Der Film wird
heute abend um 18 Uhr im Kino Moviemento in Anwesenheit von Regisseur Zach Clark wiederholt.
Regisseur Zach Clark

Hier ist eine Review über die melodramatisch-komödiantische NeoWave-PopArt-Kitschfantasie im Retro-Fetischlook von Ekaterina Vassilieva-Ostrovskaja, erschienen am 30.10.2010 auf f.lm - Texte zum Film:
http://www.f-lm.de/2010/10/30/pornfilmfestival-berlin-2010-modern-love-is-automatic/

Pornografisierung
als Entmenschlichung der Gesellschaft


"Der Eröffnungsfilm des Pornfilmfestivals war gar kein Pornofilm, sondern ein Spielfilm, in dem es um Pornografie geht, wobei vor allem die “Pornografisierung”, also Entmenschlichung der Gesellschaft gemeint sein dürfte.

Die junge Krankenschwester Lorraine verkörpert das, wovor der moderne Mensch, schon seit E.T.A. Hoffmann, ein Unbehagen empfindet: Sie ist ein lebendiger Automat – nicht durch eine technische Erfindung hervorgebracht, sondern ganz “natürlich”, auf dem Wege der Anpassung an die Anforderungen des Berufsalltags zustande gekommen. Man könnte meinen, sie teile das bedauerlicherweise mit vielen Zeitgenossen. Doch die Automatisierung verläuft bei ihr schon etwas “untypisch”. Je leerer sich Lorraine innerlich fühlt, desto mehr achtet sie auf ihre äußere Erscheinung, was natürlich fatale Folgen hat: Auf das andere Geschlecht wirkt sie ausgesprochen attraktiv, ohne dass sie auch die geringste Lust verspürt, den männlichen Avancen nachzugeben.

Und das kann man auch irgendwie nachvollziehen, denn die Beziehungsmuster, die sie tagtäglich beobachten muss, entsprechen keinesfalls ihren Vorstellungen, da die emotionale Abhängigkeit der Frauen und die Dominanz der Männer dabei zu offensichtlich werden. Anziehend wirken auf Lorraine nur die Aufnahmen aus Femdom-Magazinen, die die Frauen in der “stärkeren” Position zeigen. So entscheidet sie sich schließlich für die zweite, heimliche Karriere als Domina, und kann nun aus ihrer Lebenseinstellung Kapital schlagen. Parallel zu Lorraines Geschichte können wir auch den verzweifelten Lebenskampf ihrer weniger anpassungsfähigen Mitbewohnerin beobachten, die, im Gegensatz zu Hauptheldin, emotional ständig am Rande des Zusammenbruchs agiert und von Männern ausgenutzt wird (einschließlich des Versuchs, sie mit List in einen Pornodreh zu verwickeln). Aber auch Lorraines Position ist nicht unangreifbar, denn der Kunde bleibt doch ständig der König, auch wenn er vorübergehend zum Sklaven degradiert wird …

Der Film, der auf der Oberfläche als flotte erotische Satire daherkommt, entwickelt sich auf dieser Weise zur pessimistischen Diagnose einer Gesellschaft, in der die soziale wie sexuelle Ungleichheit die Menschen entweder zur Hysterie oder aber zur völligen Erstarrung der Gefühle treibt."

REAL SEX MAINSTREAM veröffentlicht die Rezension mit freundlicher Erlaubnis der Autorin.
http://www.f-lm.de/2010/10/30/pornfilmfestival-berlin-2010-modern-love-is-automatic/

Freitag, 29. Oktober 2010

5. PornFilmFestival Berlin (4) - Jochen Werner im Interview mit HATE.Magazin

Ein weiteres Interview mit Jochen Werner hat HATE.MAGAZIN FÜR RELEVANZ UND STIL zum Auftakt des 5. PornFilmFestival im Moviemento in Berlin geführt und am 28. Oktober online gestellt. Nina Scholz stellte die Fragen an den Mitorganisator des Festivals.
http://wordpress.hate-mag.com/?p=1378

Für jeden guten Pornofilm auf dem Festival haben wir fünf fürchterliche ausgesiebt

Jochen Werner über den künsterlischen Anspruch der alternativen Pornografie

Porno ist zweifelsohne schick, vor allem auch in solchen politischen Gruppierungen, die sich früher komplett dagegen gestellt haben. Heute drehen viele Feministinnen selber alternative Pornos statt sich demonstrierend vor Pornokinos zu stellen. Begrüßt du das?

Unbedingt. Das Pornfilmfestival steht da ganz entschieden auf der Seite des Pro-Sex-Feminismus, der ja die Frage nach dem Umgang mit der zugegeben zu allergrößten Teilen furchtbar schlechten kommerziellen Pornographie nicht mit Verbotsforderungen beantwortet, sondern mit dem Ansinnen, mehr, bessere und vielfältigere Pornographie zu machen und unterschiedlichsten sexuellen Identitäten eine Darstellungsplattform zu geben. Das geschieht gerade in unterschiedlichsten Ausprägungen überall auf der Welt, und dem möchten wir auf dem Pornfilmfestival eine Öffentlichkeit verschaffen und das möchten wir auch künftig weiter födern.

Wie stehst du zu dem ganzen Postporn-Politics-Komplex?

Auch das ist eine Form der Auseinandersetzung mit pornographischen Bildern, die ich grundsätzlich begrüßenswert finde, da mit ihr ein allzu oft ins gesellschaftliche Abseits verdrängter Themenkomplex Einzug in den akademischen Diskurs hält. Dass die konkreten Realisierungen dieser Diskurse oft noch verbesserungsfähig sind und es sicher gelegentlich nicht schaden könnte, sich etwas konkreter mit dem Gegenstand auszukennen, an den man seine Theoriekomplexe andockt, steht auf einem anderen Blatt … aber im Grundsatz finde ich die Post-Porn-Bestrebungen wichtig und relevant.

Was macht für dich einen guten Porno aus und mit welchen Filmen kommt man bei euch am besten ins Programm?

Es gibt derzeit wohl vor allem zwei unterschiedliche Sichtweisen, wie die Pornographie interessanter zu gestalten ist: durch die Annäherung an das Erzählkino oder durch die an den Experimentalfilm. Im diesjährigen Programm fällt vor allem auf, wie viele aufwendige und ambitionierte narrative Pornospielfilme zur Zeit produziert werden. Der epische Science-Fiction-Porno 2040, der clevere Psychothriller Cry Wolf, der Vampirporno Dark Angels 2 oder das wirklich berührende Pornomelodram The Last Rose versuchen allesamt, an die durch die Homevideorevolution abgebrochene narrative Pornofilmtradition der 70er Jahre anzuknüpfen. Auf der anderen Seite steht die Perspektive auf den Sexakt, die ihn eher als Performance betrachtet – in diese Richtung gehen experimentellere Arbeiten wie der an James Benning erinnernde mexikanische Avantgardefilm Autoconstrucción, der eigenwillige schwule Experimental-Essay Reincarnate oder – auf einer anderen Ebene – auch durchaus die Filme unserer Pornomusical-Retrospektive, die Tanzchoreographie und Sexchoreographie miteinander verschalten und so ein reines »Kino der Sensationen« anbieten.

Bist du zufrieden mit dem diesjährigen Programm? Was sind die Highlights?

Ich finde, wir haben auch in diesem Jahr wieder ein sehr schönes, abwechslungsreiches und vielfältiges Programm zusammengestellt. Für jeden Geschmack und für jedes Erkenntnisinteresse sollte etwas zu finden sein, vom Dokumentarfilm über das eher abstrakte Experiment, von der Komödie bis zum eher geradlinigen, einfach gut gemachten Pornofilm. Lesbisch, schwul, hetero, trans – all das steht sowieso wie in jedem Jahr im Programm nebeneinander. Meine persönlichen Highlights wären, neben den Filmen der meiner Ansicht nach sehr unterhaltsam geratenen Musical-Retrospektive, wohl der schon genannte The Last Rose, der Dokumentarfilm Regretters – die unglaublichen Lebensgeschichten zweier schwedischer Männer, die ihre Geschlechtsumwandlungen bitter bereuen –, sowie das Kurzfilmprogramm Tierische Liebe, mit mal amüsanten und mal sehr seriösen Annäherungen an das kontroverse Thema Zoophilie. (Ein Programm im übrigen, vor dem sich auch niemand fürchten muss – es wird selbstverständlich kein Sex mit Tieren gezeigt. Dennoch dürfte dieses schwierige Thema sicher interessante Diskussionen auslösen, die im Anschluss mit den Gästen dazu auch geführt werden können.)

Wie ist es all die Filme zu sichten? Habt ihr manchmal einfach die Nase voll von Schwänzen und Brüsten?

Definitiv: ja. Nach so einem 36-stündigen Sichtungsmarathon am Wochenende ist man schon wirklich gerädert und denkt eigentlich erst einmal, man möchte nie wieder Sex haben. Glücklicherweise legt sich das dann aber auch immer sehr schnell wieder … jedenfalls ist ja das, was wir beim Festival zeigen, auch immer Ergebnis eines sehr langen Auswahlprozesses, und für jeden guten Film auf dem Festival haben wir schätzungsweise fünf fürchterliche Filme ausgesiebt. Wenn das Festival vorbei ist, ist man aber in jedem Fall auch froh, mal wieder ein paar Filme ganz ohne Geschlechtsteile sehen zu können. Bis wir dann im Januar wieder mit den Sichtungen fürs nächste Festival anfangen …

Wie schafft ihr den Spagat zwischen dem offensichtlichen Stimulus auf der Leinwand und einem Publikum, das sich wahrscheinlich nicht wie im Pornokino benimmt?

Diese Perspektivverschiebung war für mich eigentlich einer der allerersten Gründe, mich für das Projekt Pornfilmfestival zu begeistern. Was passiert, wenn man einen Film, den man normalerweise allein oder in sehr intimen Situationen ansieht, kollektiv auf einer Kinoleinwand schaut? Wie verändert sich die Wahrnehmung? Das hat zu einigen sehr interessanten Erfahrungen geführt, doch die muss wohl jeder für sich selbst machen. Für diejenigen unter den Lesern, die sich noch fragen, ob man sich da hintrauen kann, sei nur noch kurz gesagt: Angst vor einsamen Männern in dunklen Trenchcoats, die zur Masturbation ins Kino kommen, muss man bei uns wirklich nicht haben.

Hast du ein Wunschpublikum? Und hat sich euer Publikum in den letzten Jahren verändert?

Zu meinem Wunschpublikum gehört letztlich jeder, der unserem Thema – der Sexualität im Film – offen und interessiert gegenübertritt. Ich glaube schon, dass da die Berührungsängste in den letzten Jahren kleiner geworden sind und dass vielleicht auch jene, die sich in den ersten Jahren noch nicht zum Festival getraut haben, inzwischen merken, dass man bei uns auf eine ganz freundliche, offene und gar nicht zwielichtig-schmuddelige Atmosphäre trifft. Meine Idealvorstellung für die Zukunft ginge vielleicht noch in die Richtung, dass auch die sexuelle Ausrichtung der Filme noch weniger wichtig genommen wird: dass also etwa auch heterosexuelle Männer und Frauen ganz selbstverständlich in schwule, lesbische, transsexuelle Filme gehen. Auch da lockert sich schon einiges derzeit, und etwa in unserem Kurzfilmwettbewerb oder im sehr beliebten Programm Fun Porn stellen wir auch bereits Filme für alle Zielgruppen direkt nebeneinander. Aber da ist sicher auch noch Luft nach oben!

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Nina Scholz

Link zum HATE Magazin
Keine Angst vor Männern in dunklen Trenchcoats
http://wordpress.hate-mag.com/?p=1378

Komplettes Festivalprogramm
auf der Website
des 5. Pornfilmfestival Berlin 2010
http://www.pornfilmfestivalberlin.de/pff/

Montag, 25. Oktober 2010

5. PornFilmFestival Berlin (3) - Jochen Werner im Interview mit berliner filmfestivals

Interview über Pornografie,
Kunst und Festivalarbeit


Das wohl weltweit einzigartige PornFilmFestival Berlin verspricht alljährlich bahnbrechende und nie gezeigte Filme rund um das Thema Sex, Erotik und Geschlechterbilder. Jährlich werden knapp 100 Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme aus aller Welt gezeigt. Die Mischung der Filme steht dabei für die ganze Bandbreite hetero-, homo- und transsexuellen Begehrens, zeigt mal konventionell, mal experimentell expliziten Sex, reflektierte Sichtweisen auf die Pornoindustrie oder schlicht lustige Einfälle rund ums Thema Geschlechtsverkehr.

Das 5. Pornfilmfestival Berlin steht vor der Tür. Vom 28. bis 31. Oktober werden knapp 120 internationale Produktionen gezeigt, die sich lustvoll, komisch, gleichwohl kritisch mit dem Thema Sexualität auseinandersetzen. Im Vorfeld sprach "berliner filmfestivals" mit einem der Festivalkuratoren, Jochen Werner, über die Organisation solch eines Events und darüber, wie viel Pornografie wirklich im Festival steckt. Die Fragen stellte Martin Daßinnies. Real Sex Mainstream veröffentlicht das Interview mit freundlicher Genehmigung des befragten Berliner Filmjournalisten.

Für Tabu brechenden Sex und
Grenzen überschreitende Kunst -


Jochen Werner im Interview
über das kreative Potential der Pornografie


Sucht alternative und kunstvolle Pornografie
und will enttabuisieren: Jochen Werner
PornFilmFestival Kurator und Filmjournalist


Guten Tag Jochen Werner, wie geht es Ihnen, so kurz vor der mittlerweile 5. Ausgabe des Festivals?
Jochen Werner: Da ich gerade den druckfrischen Festivalkatalog in der Hand halte und mich freue, dass wir auch in diesem Jahr wieder ein so schönes Programm zusammenstellen konnten, geht es mir hervorragend. Die Vorfreude auf das Festival wächst mit jedem Tag.

Das Programm steht, was kann jetzt noch schiefgehen?
Werner: Schiefgehen kann kurzfristig immer vieles bei einem Festival: Gäste, mit denen wir fest gerechnet haben, können absagen, die Technik im Kino kann Probleme bereiten, und im schlimmsten Fall könnte das Publikum einfach zuhause bleiben.

Etwas Persönliches – wie alt sind sie?
Werner: Ich bin 30 Jahre alt.

Noch etwas Persönliches, wie wird man Kurator eines Filmfestivals, das sich explizit mit Pornografie auseinandersetzt?
Werner: Das 1. Pornfilmfestival im Jahr 2006 habe ich noch als akkreditierter Journalist besucht – ich habe damals ein inzwischen eingestelltes unabhängiges Kulturmagazin mitherausgegeben und mich zwar zuvor gar nicht so intensiv mit Pornografie beschäftigt, aber immer wieder für Tabus brechende und Grenzen überschreitende Kunstformen interessiert. Der Gedanke, ein Filmfestival (nicht als kommerzielle Veranstaltung im Stil der Venus, sondern als ein nach künstlerischen Gesichtspunkten zusammengestelltes Festival) zu veranstalten, um ein Genre herum, das gemeinhin niemals als kunstfähig betrachtet wird, hat mich fasziniert. Ich habe mir dort tagsüber das Filmprogramm angeschaut, nachts Kritiken geschrieben und diese dann direkt am nächsten Morgen im Netz veröffentlicht. Nachdem Jürgen Brüning, der das erste Festival noch im Alleingang gegründet und kuratiert hatte, meine Texte gelesen hat, hat sich dann herausgestellt, dass wir sehr ähnliche Vorstellungen davon haben, wie das Pornfilmfestival funktioniert und was seine Aufgaben sein könnten. Das zweite und dritte Festival haben wir dann in einem Team von fünf Leuten kuratiert, und seit dem letzten Jahr sind wir noch zu viert.

Mit welchen Vorurteilen kämpft man als Kurator eines solchen Festivals?
Werner: Vorurteile und Berührungsängste gibt es gerade bei einem so emotional aufgeladenen Thema wie Pornografie immer noch. Der Klassiker wäre da vielleicht der oder die potenzielle ZuschauerIn, der sich nicht zu kommen traut, weil er oder sie damit rechnet, nur auf einsame Männer in dunklen Mänteln zu stoßen. Wir beobachten aber zu unserer großen Freude, dass sich diese Schwellenängste immer mehr legen, und dass sich auch herumspricht, dass es bei uns jedes Jahr eine herzliche, kommunikative Atmosphäre gibt, in der jeder willkommen ist. Außerdem gibt es natürlich auch noch durchaus gesellschaftliche Tabus, die mit Pornografie (und Sexualität überhaupt) verknüpft sind. So passiert es zum Beispiel immer wieder, dass wir Filme, die wunderbar ins Festivalprogramm passen würden, nicht zeigen können, weil Filmemacher oder ihre Agenten fürchten, sich dadurch anderswo Türen zu versperren und in die Porno-Schublade gesteckt zu werden. Das Wort Pornografie im Festivalnamen macht es jedenfalls nicht einfacher für uns – der Schwierigkeit stellen wir uns aber bewusst, weil wir damit auch ein Stück weit enttabuisieren wollen.

Welche Vorteile bringt diese Arbeit mit sich?
Werner: Das Schönste an der Festivalarbeit besteht wohl darin, dass man Jahr für Jahr aufs Neue viele wunderbare, höchst kreative Menschen kennenlernt. Zudem lernt man unglaublich viel in der Festivalarbeit: dass ein funktionierendes Festivalprogramm, mit Themenschwerpunkten, Retrospektiven, vertiefenden Diskussionen und Vorträgen, einer abwechslungsreichen Filmauswahl etc., nicht bloß aus dem Nebeneinanderstellen von Filmen entsteht, die man persönlich gut findet, sondern wesentlich komplexer strukturiert ist. Und für dies alles, für die tollen Gäste, von denen einige schon regelrecht zur Pornfilmfestival-Familie gehören, für das tolle und hoffentlich immer weiter wachsende Publikum, und für die vielen unschätzbaren Erlebnisse und Erfahrungen, die ich in fünf Jahren Festivalarbeit machen konnte, schlage ich mir dann auch gern die Hunderte von Stunden in Teamdiskussionen und beim kollektiven Pornosichten um die Ohren, die so ein Pornfilmfestival Jahr für Jahr erfordert.

Sie sagen, dass es Filmemacher gibt, die ihre Filme nicht bei Ihnen zeigen wollen, weil sie Angst haben, in einer Schublade zu landen. Wo beginnt denn Pornografie?
Werner: Eine gute Frage – in der öffentlichen Wahrnehmung beginnt Pornografie immer dort, wo sie vermutet wird. Überhaupt lassen sich da kaum allgemeingültige Regeln aufstellen, da es in der Bewertung von Pornografie auch kulturell große Unterschiede gibt. In vielen Ländern etwa ist ja das, was wir als Hardcore-Pornografie begreifen würden, immer noch illegal, was aber nicht heißt, dass es dort keine Pornofilme gäbe. Nur ihre Grenzen verlaufen anderswo, und für ein Festival wie das unsere ist es natürlich auch hochinteressant, diese unterschiedlichen Maßstäbe nebeneinander zu stellen und sie miteinander zu vergleichen. In den geschilderten Fällen in diesem Jahr, in denen Filmemacher ihre Filme zurückgezogen haben, ging es nun allerdings noch nicht einmal um Pornografie im engeren Sinne, sondern um Dokumentarfilme, die sich mit der Sexualkultur verschiedener Länder beschäftigt haben. Wir hatten ursprünglich einmal einen Themenschwerpunkt zu Sex und Religion vorgesehen, in dem die Sexualmoral verschiedener religiöser Gemeinschaften thematisiert wird, und hatten auch eine ganze Reihe interessanter Filme hierzu im Blick. In diesem Kontext hat jedoch bereits das Wort Pornografie in unserem Festivalnamen genügt, um die Filmemacher zurückschrecken zu lassen – auch aus Angst vor Konsequenzen für sie selbst oder ihre Protagonisten. Somit sind wir wohl mit diesem letztlich gescheiterten Schwerpunkt an eines der letzten großen Tabus unserer Zeit gestoßen.

Sie zeigen etwa RP Kahls “Bedways“, den ich nicht als pornografisch bezeichnen würde, da Kahl zwar Sexualität als Grundthema hat, den Körper und den Akt aber nicht zum Zentrum seines Films macht ….
Werner: Auf dem Pornfilmfestival gibt es keineswegs nur dezidiert (hardcore-)pornografische Filme zu sehen. Stattdessen stehen in unserem Programm seit jeher ganz unterschiedliche Filme nebeneinander, die sich mit Sexualität und Körperlichkeit auseinandersetzen – vom Dokumentarfilm über den Experimentalfilm, und eben auch bis hin zum kommerziell produzierten Pornofilm – sofern dieser irgendetwas hat, das ihn für uns so interessant macht, dass wir ihn für zeigenswert erachten. RP Kahls “Bedways” sehen wir dabei als Teil einer ganzen Bewegung im internationalen Kino (Lars von Trier, Patrice Chéreau, Michael Winterbottom und viele andere), die mit unterschiedlichsten Mitteln versucht, die explizite Darstellung von Erotik auch im nichtpornografischen Film zeigbar zu machen.

Sie sagen, Pornografie ist ein Genre, das nicht als kunstfähig wahrgenommen wird. Dabei hat das Genre über die Jahrzehnte einiges an Wandlungen erlebt. In den 70er gab es viele Filme, die auch einen inhaltlichen Anspruch hatten, in den 80er sogar kommerziell erfolgreiche Filme, meist aus den USA, die sich dem Thema sehr avantgardistisch näherten. In den Neunzigern reduzierte sich der Film oft nur auf den Akt und die Szenenverkettung – und dann folgte das Internet. Wie sieht der Status Quo heute aus?
Werner: Ich denke, man kann sagen, dass es zur Zeit wieder eine ganze Reihe von ambitionierten Pornofilmen gibt, die versuchen, an die Traditionen aus den Jugendjahren des Genres anzuknüpfen. In diesem Jahr etwa haben wir eine erstaunliche Anzahl von durchaus gut funktionierenden narrativen Pornospielfilmen im Programm, vom Thriller “Cry Wolf” über den Science-Fiction-Film “2040” bis hin zum Vampirhorror “Dark Angels 2“. Und, einer meiner persönlichen Favoriten dieses Jahrgangs, “The Last Rose“, ein melancholisches Pornomelodram mit erstaunlich düsterem Grundton der sich auf den Spuren des “Letzten Tango in Paris” bewegt. Auf der anderen Seite stehen Ansätze, die das kreative Potenzial der Pornografie weniger in der Annäherung an den erzählenden Spielfilm sehen, sondern an den Experimentalfilm. Zwischen diesen beiden Polen spielt sich die interessante Pornografie heute ab.

Kann kommerzielle Pornografie überhaupt einen künstlerischen Anspruch haben?
Werner
: Mir scheint, diese Frage muss im Grunde anhand eines jeden Filmes neu diskutiert werden. Tatsächlich muss sich ja die Pornografie, wenn sie Kunst sein will, mit gewissen Konflikten auseinandersetzen: Kann ein Film Kunst sein und trotzdem, im Hinblick auf die ganz pragmatische Funktion des Pornofilms, auf die körperliche Erregung abzielen? Wie verhält es sich bei einem narrativen Pornofilm mit der Erzählung und dem Sex? Steht beides eher unverbunden nebeneinander, steht es gar im Widerspruch zueinander – indem der Sex die Story ausbremst oder die Story die Sexszenen lediglich lose verbindet? Oder geht doch beides zusammen, eine interessante Form und vielfältiger, anregender, nicht öde standardisierter Sex? Kann Pornografie vielleicht sogar, im libertären Geiste der 70er Jahre, auch heute noch eine befreiende, politische Funktion haben? Eine einfache und allgemein gültige Antwort gibt es, denke ich, auf keine dieser Fragen – umso spannender, sie in jedem Festivaljahr in ganz unterschiedlichen filmischen Ansätzen immer wieder neu beantwortet zu finden.

Um mal eine andere Perspektive aufzugreifen – nimmt die Pornobranche überhaupt Künstler wahr, die das Thema nicht nur als Mittel zur Lustbefriedung aufgreifen?
Jochen Werner: In der kommerziellen Pornobranche, deren allmonatlicher Output ja unüberschaubar ist, ist es sicher schwer für einen ambitionierten Filmemacher, für sich selbst eine Nische zu finden, in der sich zumindest Teile der eigentlichen Ideen realisieren lassen. Das Pornfilmfestival hat in den fünf Jahren seines Bestehens aber hier auch eine Funktion als eine Plattform entwickelt, über die sich all diese Einzelkämpfer an den Rändern des Pornomarktes austauschen, kennenlernen und vielleicht auch hier und da neue Vertriebsstrukturen erschlossen haben. Wenn man nämlich merkt, dass da noch viele andere sind, die sich ebenfalls dafür einsetzen, dass Pornografie nicht automatisch frauenfeindlich, niveaulos und schlecht inszeniert sein muss, dann steigert das die eigene Motivation, weiterhin gegen die Windmühlen des kommerziellen Pornobusiness anzukämpfen, doch beträchtlich.

Gut, letzte Frage. Wie hat sich in der Arbeit als Kurator ihre Sichtweise auf das Thema verändert?
Werner: Meine Perspektive auf die Pornografie ist sicher wesentlich umfassender geworden – und weitet sich noch immer in jedem Jahr der Festivalarbeit. Auch wenn man immer wieder einmal an einen Punkt kommt, an dem man glaubt, nun aber wirklich alles gesehen zu haben, gibt es doch noch Erlebnisse bei der Filmsichtung, die einen verblüffen. In diesem Jahr zum Beispiel haben wir ein Kurzfilmprogramm um außergewöhnliche Fetische, und einige der dort ausgelebten sexuellen Vorlieben fanden wir doch sehr überraschend und manchmal auch amüsant. Das wäre dann wohl auch meine zweite wesentliche Erkenntnis aus der Beschäftigung mit der Pornografie: wieviel Spaß und spielerische Lebensfreude mit ihr verbunden sein kann, wenn man ihr nur mit einer gewissen Offenheit gegenübertritt.

Interview: Martin Daßinnies

Links zur Originalversion des Interviews
http://berliner-filmfestivals.de/2010/10/interview-jochen-werner-uber-das-aktuelle-pornfilmfestival
http://berliner-filmfestivals.de/2010/10/interview-jochen-werner-uber-das-aktuelle-pornfilmfestival/2

Komplettes Festivalprogramm
auf der Website
des 5. Pornfilmfestival Berlin 2010
http://www.pornfilmfestivalberlin.de/pff/

Samstag, 23. Oktober 2010

5. PornFilmFestival Berlin (2) - Programm-Aktualisierung

Auf der Suche nach der alternativen Pornografie

Explizites Highlight des Sommers 2010 von RP Kahl:
BEDWAYS mit Miriam Mayet und Matthias Faust -
Kann man beim Sex die Liebe zeigen?

Für alle Freunde der alternativen Pornografie gibt es das komplette Festivalprogramm auf der Website des 5. Pornfilmfestival Berlin 2010.
http://www.pornfilmfestivalberlin.de/pff/

Heterosexuell, Lesbisch, Schwul, Transgender, Expliziter Sex, Fetisch, Animation, Dokus, Sexindustrie, Filme von Frauen, Filme in Originalversion, Filme mit Untertitel: Das weitgefächerte Programm bietet für jeden erotisch-sexuellen Geschmack etwas zum Schauen und lädt ein zum Genießen der Fleischeslust in all ihren Dimensionen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Porno-Musicals: Swingin' in the Rain.

In BEDWAYS masturbiert Miriam Mayet vor der Kamera.

Spielfilme A - Z


-
Eröffnungsfilm: Modern Love Is Automatic

Modern Love is Automatic
Do./Thu., 28.10., 20.15 h
Wh./Rep.: So./Su., 31.10., 18 h
Zach Clark, USA 2009, 93 Min., engl. OV

Was tut man, wenn einen der eigene Job als Krankenschwester zu Tode langweilt, man gerade seinen untreuen Freund vor die Tür gesetzt hat und keine Ahnung hat, was man mit dem Rest seines Lebens anfangen soll? Für die frustriert-apathische Lorraine (große Schauspielkunst, nahezu ohne eine Miene zu verziehen: Newcomerin Melodie Sisk!) liegt die Antwort auf der Hand: Man sucht sich einen Nebenjob als Domina! Lorraines ebenso komischen wie berührenden Trip durch eine quietschbunte Kinowelt irgendwo zwischen Douglas Sirk und John Waters setzt Regisseur Zach Clark beeindruckend stilsicher in Szene: eine unterkühlte, melodramatisch-komödiantische NeoWave-PopArt-Kitschfantasie im Retro-Fetischlook, und in seiner wunderbar lakonischen Unverklemmtheit der ideale Eröffnungsfilm für das 5. Pornfilmfestival!

- Abschlussfilm: The Final Girl

The Final Girl
So.,/Su., 31.10., 20.30 h
Todd Verow, mit: Judy Minx, Wendy Delorme u. a., USA 2010, 90 Min., engl. OV

Dem schwulen Filmemacher Todd Verow ist ein poetischer Lesbenporno gelungen – es lebe die Queer Welt! In einer Pariser Wohnung gerät die neue Mieterin, die das „Final Girl“ sein wird, in den Bann ihrer verschwundenen Vormieterin in Form ihrer Tagebücher und Erinnerungen der Ex-Geliebten. Sie gerät so in eine David-Lyncheske surreale Traumwelt in der sich ihre Identität mit der der verschollenen Vormieterin, irgendwo zwischen Berlin und Paris, durchmischt. Sie durchlebt deren Sexualleben genauso wie die depressiven, suizidalen Phasen. Wird sie am Ende das gleiche Schicksal wie das der ihr unbekannten Frau ereilen?

„The Final Girl“ ist der gelungene Versuch, einen traurigen Liebesfilm mit sexuell expliziten Szenen – und dabei mit heißem, lesbischem Sex – anzureichern.

- 7 Minutes in Heaven 3: Fuck Yeah!
- 2040
- Autoconstrucción
- Bedways (Bild 1 re)
- Carnal Fluidity
- Cry Wolf
- The Curse of Mac Beth
- Dark Angels 2: Bloodline
- Des Jours Plus Belles Que La Nuit
- Doing it Ourselves (Bild 2 re)
- Flower & Snake
- L.A. Zombie Hardcore
- The Last Rose
- Leave Blank
- Malice in Lalaland
- Max & the City
- Meat
- Much More Pussy!
- Porno de Autor
- Porteños
- Regarding Jenny
- Reincarnate
- Roulette Berlin
- Roulette Dirty South
- S&M Hunter
- Thin Line between Art and Sex
- Tristan Taormino’s Rough Sex 2
- 24 Cocks in 24 Hours – Treasure Island Media
- Twinklight (Bild 3 re)
- Xero

- Spielfilmjury

Dokumentarfilme A - Z
- Body Modification Freaks
- D/s: Une Comédie Sado-Masochiste
- Die Entgleisten. Vier Porträts
- Fake Orgasm
- Frauenzimmer
- Graphic Sexual Horror
- Island (Bild 4 re)
- Meu Amigo Claudia
- Mind Fuck: Self-portrait
- My Sexuality: A Sensory Experience (Bild 5 re)
- Regretters
- That’s Gila That’s Me
- Translatina

Kurzfilmprogramme
- Internationaler Kurzfilmwettbewerb
- Kurzfilmjury

- Experimental Porn
- Female Porn
- Fetish Porn: Expect the Unexpected
- Fun Porn
- Gay Porn
- Lesbian Porn
- Meta Porn
- Tierische Liebe

- Vorfilme / Einzelne Kurzfilme

Porno-Musicals: Swingin' in the Rain

- Captain Lust
- Let My Puppets Come + Überraschungsfilm
- Misty Beethoven: The Musical!
- Swinging in the Rain
- This Ain’t Glee XXX

Ob nun gevögelt wird oder getanzt – das scheint nicht nur im inzwischen auch hierzulande überaus beliebten Bollywood-Kino im Grunde austauschbar. Der wirbelnde Rock von Ginger Rogers, die Wasserspiele von Esther Williams, die leichtbekleideten, zu geometrischen Formationen arrangierten Showgirls von Busby Berkeley – schon immer waren die Tanzchoreographien des Musicals auch Chiffre für das, was die Moral der Zeit zu zeigen verbot. Wir bringen nun alles auf die Leinwand, was in der großen Musicals der Kinogeschichte noch Ihrer Fantasie überlassen blieb: vom Sexleben durchgeknallter Handpuppen bis zum singenden Penis des Pornodarstellers Randy Spears. Alles andere als good clean fun!

Mit unserer diesjährigen Retrospektive knüpfen wir, unter dem Motto Swingin’ in the Rain, in doppelter Hinsicht dort an, wo das 4. Pornfilmfestival Berlin 2009 endete. Mit den beschwingten Rhythmen und fröhlichen Melodien von Bud Townsends pornografisch-musikalischer Adaption von Alice im Wunderland klang das letztjährige Festival mit einem Lied auf den Lippen aus.

Im fünften Jahr dringen wir nun noch tiefer in die oft verblüffende, mal kuriose und fast immer bombastisch unterhaltsame Geschichte der Porno-Musicals ein und entdecken einen nur auf den ersten Blick überraschenden Genremix, der erstaunlich viele gelungene und aufwendige Filme hervorgebracht hat – von der goldenen Zeit des Pornofilms in den 70er Jahren bis heute. Mit Swingin’ in the Rain setzen wir ebenfalls eine Reihe von Themenschwerpunkten fort, die sich den Verbindungslinien zwischen der Pornografie und dem Genrekino widmen. Nach dem großen Erfolg von SplatterPornSpecial (2008, zum Horror-Porno) und PornUtopia (2009, zum Science-Fiction-Porno) führt nun unsere Reihe zu Porno-Musicals zwei Genres zusammen, die auch die Filmwissenschaft in ihrem Hang zur „Nummernrevue“ längst als miteinander verwandt erkannt hat. In diesem Sinne bleibt uns nur noch zu sagen: Vorhang auf! Let the show begin!

Ausstellung: Ficken sagt man nicht

Workshops

A Whores Guide to Safer Sex for Queers, Sadie Lune, Berlin/San Francisco
Fr., 29.10., 15.00 – 17.00 h
Ein Praxisworkshop von Sadie Lune, die zeigen wird, wie Safer Sex Praktiken ins Sexleben eingebracht werden können. Ihre 10-jährige Erfahrung als Sexarbeiterin dient als Hintergrund, um mit ihr über die politischen Auswirkungen, mit Spaß und queerem Sex zu tun hat und es werden verschiedene Techniken gezeigt, die ausprobiert werden können.

Matthias T. J. Grimme (Hamburg),
Bondage Workshop – Japanische Bondage/Shibari

Sa., 30.10., 15.00 – 18.00 h
Japanisches Bondage ist eine effektive und schnelle Möglichkeit, jemanden mit Seil zu fesseln und ihn oder sie dabei noch schöner aussehen zu lassen. Entwickelt aus 400 Jahre alten Samurai-Techniken ist japanisches Bondage spätestens nach den Bildern des Fotografen Araki heute weit über die Grenzen Japans bekannt.

Matthias T. J. Grimme und Nicole aka Jemina zeigen Japanische Bondage als Kunst und SM-Liebesspiel. Mit ihren intensiven und berührenden Performances traten sie schon in diversen Ländern Europas und in Tokyo auf. Ob nun der Zauber von “Spirit of Shibari”, die beeindruckende Soloperformance “Rope-Dream” oder der spielerische Kampf von “Tight Love”, jede ihrer Shows ist ein erotisch intensives Erlebnis.

Porn and Feminism, Jennifer Lyon Bell, Amsterdam
So., 31.10., 16.00 – 18.00 h
Kann Porno feministisch sein? Dieser Workshop der Filmemacherin Jennifer Lyon Bell aus Amsterdam befasst sich mit der Idee des „Sex positiven Feminismus“, den Gegenargumenten, warum Porno nicht feministisch sein kann und wird dann durchgeschüttelt durch Ausschnitte neueren Arbeiten des erotischen und pornographischen Films. Jennifer Lyon Bell produziert seit einigen Jahren mit ihrer Firma Blue Artichoke erotische Filme. Sie war schön ofters mit ihren Film beim Pornfilmfestival vertreten und dieses Jahr zeigen wir Ihren Film Des Jour Plus Belles Que la Nuit.

Ausstellung: Ficken sagt man nicht

Panels
- Brains and Body! Porn actresses who can talk
- Killing best seller? Bareback sex in gay porn
- Motherfucker: A Case Study of Mommy is Coming

Vorträge
- Swinging (Naomi Harris)
- Wer fickt Uhura? (+ Buchpräsentation “Sex und Subversion”, Oliver Demny)
Mit Buchpräsentation:
Oliver Demny / Martin Richling (Hgg.): Sex und Subversion. Pornofilme jenseits des Mainstreams. Berlin: Bertz + Fischer 2010
http://www.bertz-fischer.de/product_info.php?cPath=1_42&products_id=88
http://real-sex-mainstream.blogspot.com/2010/09/sex-und-subversion-pornofilme-jenseits.html

Wer fickt Uhura? Sex zwischen Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben haftet etwas Besonderes an, dies wird durch Kategorien wie ebony oder interracial bei diversen Internet-Sex-Seiten hervorgehoben. Er gilt als exotisch und wilder. Gleichzeitig ist er verpönt und war teilweise verboten. Allein als der erste schwarz-weiße Fernsehkuss in der Serie Star Trek zwischen Lieutenant Nyota Penda Uhura und Captain James Tiberius Kirk vollzogen wurde, war dies ein Skandal – oder aber Hoffnungsschimmer.

In Star Trek - Platos Stepchildren - wurde der erste Kuss zwischen einer Schwarzen (Nichelle Nichols - Lt. Uhura) und einem Weißen (William Shatner - Capt. Kirk) auf dem Fernsehbildschirm gezeigt.

Das klärt aber noch nicht über das Sexleben von Uhura auf. Wie sieht es hinter den Vorhängen, die Hollywood gerne zuzieht, aus? Wer fickt Uhura? Die Antwort existiert: In This Ain’t Star Trek XXX erfahren wir alles über die Genitalpraktiken auf dem Raumschiff. Wie sieht die Repräsentation Schwarzer im Porno aus? Kann es eine schwarze Jenna Jameson geben?

Ausstellungen

"Ficken sagt man nicht"
Pornografische Kunst von Greta
Ist die herrlich schamlose Lust am Sehen des sexuellen Körpers durch künstlerische Mittel neu zu entdecken? Oder sind wir wirklich schon so satt, dass wir kein Auge mehr haben für bildliches Gieren nach Fleischesverführung? Wo sind die Unterschiede der Bildideen von Frauen und Männern? Und warum äußern sich Künstlerinnen so wenig in direkter Weise? Ich habe einfach die Bilder gemalt, die mir fehlten. Ich wollte reines Verlangen, Pracht, Farbe, Fleisch und Saft bis zu der Grenze des Entzückens, die aktuell meine eigene ist.
www.fickensagtmannicht.de

Die Ausstellung 'Ficken sagt man nicht' findet während des PornFilmFestivals vom 28.-31. Oktober im Moviemento statt. Einige Kunstwerke zeigt RSM mit freundlicher Genehmigung der Künsterlin Greta. Hier gelangt man zu ihrer Homepage:
http://www.fickensagtmannicht.de/

Ausstellung: Ficken sagt man nicht

Auch in diesem Jahr wird es während des Pornfilmfestivals Berlin wieder jede Menge Kunst im Kino Moviemento zu sehen geben. Das Publikum wird für die insgesamt sieben Kunstwerke einen dotierten Publikumspreis vergeben. Während des Festivals können die Festivalgäste mit Münzen für das Kunstwerk ihrer Wahl abstimmen. Derjenige Künstler, der die meisten Stimmen auf sich vereinigen kann, erhält den Erlös aus den Abstimmungsmünzen. Zur Kunst im Kino findet eine Vernissage am 28. Oktober um 19 Uhr in der Lounge des Moviemento Kinos statt.
- Durch die Blume
- Erotisches ABC
- Ficken sagt man nicht
- Fountain
- The Joys of the Extreme
- Peepkorn
„Die Pornografie begleitet, wie das Aktzeichnen zu Übungszwecken, mein künstlerisches Schaffen von Anfang an. Sie ist Mittel zum Ausdruck von Phantasie und Wunsch. In ihr lebe ich Gefühl und Begierde aus und die gezeichnete Wixvorlage dient der momentanen Selbstfindung. Durch sie kann die Möglichkeit gefunden werden, den Gefühlszustand des tatsächlich Stattfindenden zu erleben.“
Sven Piepkorn wurde 1969 geboren, studierte Wirtschaftskommunikation und arbeitet als freier Werbefachmann und Zeichner in Göttingen.

Von INSIDE FLESH gibt es drei Filmbeiträge auf dem Festival. Die Initiatoren beschreiben die Ziele ihres Projektes:
INSIDE FLESH is a project founded by the members and collaborators of SUKA OFF/BlackFleshVideo. Their work has always been concentrated on human carnality in all its aspects. Because in both live and video works, they’ve been working with the body without faking anything what could be done for real, but the theatre, art and even alternative club scene was putting limits to their experiments with sexual imagery, it was was only a matter of time that they would make their way into pornography. The aesthetics, themes and characters are still the same. The world they’re creating is filled with postindustrial imagery, synthetic fluids (liquid latex, silicone, acrylic paint) and role/sex changing characters. The only thing that separates INSIDE FLESH videos from those made by BFV, is explicit nudity and sex. Although INSIDE FLESH stands in opposition to the mainstream porn productions, it doesn’t have anything to do with the alt porn scene. It is not related to any specific subculture, ideology or gender. It’s the new vision of porn.

INSIDE FLESH will be showing 3 films at the PornFilmFestival in Berlin (Kino Moviemento, Kottbusser Damm 22, Berlin-Kreuzberg):

POSSESSION in the International Short Film Competition Regie: Inside Flesh Collective, Polen 2009, 12 Min., int. OV
A disturbing, intense sex scene between two people in gender fluidity, made by the polish art collective Inside Flesh who also show other films in the festival.

BILOCATION 1 in the Experimental Porn section Inside Flesh Collective, Polen 2009, 9 Min., int. OV
Although Inside Flesh stands in opposition to the mainstream porn production, it doesn’t have much to do with the alt.porn scene. It’s not related to any specific subculture, ideology or gender. It’s the new vision of porn.

CARNAL FLUIDITY in the Feature Films section
Inside Flesh Collective, Polen 2008,60 Min., int. OV

The Polish artist collective Inside Flesh is one of the most inspiring discoveries of the festival. Their opus magnum is a 60 minute trip into an erotic parallel world where transgressive sexual fantasies meet distorted nightmares of isolation and helplessness in an industrial art space. They create an overwhelmingly dense audiovisual atmosphere and offer new perspectives on the human body and its sexuality.


Ausstellung: Ficken sagt man nicht

ENGLISH VERSION:
The complete festival program for the 5th Porn Film Festival Berlin is now online! Ticket sales have started!
http://www.facebook.com

Samstag, 2. Oktober 2010

5. PornFilmFestival Berlin (1) - Vom 28.-31.10.2010 im Moviemento

Jochen Werner, Berliner Filmjournalist und Kurator des PornFilmFestival Berlin, hat folgende Filme des diesjährigen Programms angekündigt. Unter den Beiträgen gibt es auffallend viele interessante narrative Pornofilme, eine kleine Retrospektive zu Pornomusicals und einen zwar nicht expliziten, aber dennoch sehr guten Eröffnungsfilm:

Modern Love Is Automatic (2009). http://www.imdb.com/title/tt1322953/

Das Pornfilmfestival Berlin feiert 2010 sein 5jähriges Bestehen und zeigt am letzten Oktoberwochenende (28.-31.10.2010) im Kino Moviemento erneut ein vielfältiges Programm voller lustvoller, lustiger, ungewöhnlicher, experimenteller, gewagter und kunstvoller Filme rund um Erotik und Sexualität.

Neben dem Herzstück des Festivals, dem alljährlichen Kurzfilmwettbewerb, in dem auch in diesem Jahr wieder zehn so unterschiedliche wie ambitionierte Filme aus aller Welt um den Hauptpreis konkurrieren, der von Blue Movie mit 500 € dotiert wurde, werden im Rahmen der Sektion Filmmaker in Focus mit Madison Young, Courtney Trouble und Anna Span erneut drei Filmemacherinnen ihr Werk an den Grenzen der kommerziellen Pornografie vorstellen. Marie Madison (Regarding Jenny), Saara Aila Waasner (Frauenzimmer), Anna Lorentzon (Graphic Sexual Horror), Tristan Taormino (Rough Sex), Petra Joy, Erika Lust und Jennifer Lyon Bell sind neben vielen Kurzfilmemacherinnen weitere Regisseurinnen, die auf dem Festival vertreten sind.

Eröffnet wird das 5. Pornfilmfestival am 28. Oktober 2010 mit Zach Clarks so liebevoller wie abgründiger Sexkomödie Modern Love is Automatic, die in grellbunter Ästhetik irgendwo zwischen John Waters und Douglas Sirk die erotische Erweckungsgeschichte der frustrierten Krankenschwester Lorraine zeigt, die ihre Leidenschaft für den Sadomasochismus entdeckt. Zum feierlichen Abschluss wird am Sonntag das lesbische Liebesdrama The Final Girl gezeigt, das der amerikanische Regisseur Todd Verow mit den französischen Schauspielerinnen und Performancekünstlerinnen Wendy Delorme und Judy Minx in Paris inszenierte. Für den besten Spielfilm wurde dieses Jahr ein Preis in Höhe von 500€ von der Erotic-Lounge.com ausgelobt.

Nach dem großen Erfolg der letztjährigen Filmreihen SplatterPornSpecial sowie PornUtopia widmet sich die diesjährige Retrospektive erneut den Berührungspunkten zwischen der Pornografie und dem Genrekino – und greift gleichzeitig die beschwingten Melodien auf, mit denen das Pornfilmfestival 2009 mit dem Abschlussfilm Alice in Wonderland ausklang. Unter dem Motto Swingin’ in the Rain zeigt das Pornfilmfestival 2010 fünf Pornomusicals von den 70er Jahren bis 2010, von der aufwendig ausgestatteten Piraten-Sexkomödie Captain Lust bis zur X-Rated-Parodie des US-Serienhits This Ain’t Glee XXX.

Bei der Festivalparty am 30.10. im Monster Ronson’s wird es nach dem letztjährigen grandiosen Air-Sex-Wettbewerb in diesem Jahr ein Programm mit Oben-Ohne-Armdrücken geben, sowie Nacktrauchen mit J&J in der Raucherlounge und angezogene Französinnen auf der Bühne. Anmeldungen ab sofort an office(at)pornfilmfestivalberlin.de. Die Teilnahmeplätze sind begrenzt.

Das vollständige Programm gibt's ab Mitte Oktober auf der Website des 5. Pornfilmfestival Berlin:
http://www.pornfilmfestivalberlin.de/

Freitag, 1. Oktober 2010

Fuck - Poem by D H Lawrence - Fuck is a Heavenly Gift to Rejoice!

Fuck is a profanity (English-language) word which refers to the act of sexual intercourse. It is also often used to denote disdain or as an intensifier. The origin of the word is obscure. It is usually considered to be first attested to around 1475, but it may be considerably older. In modern usage, fuck and its derivatives (such as fucker and fucking) can be used in the position of a noun, a verb, an adjective or an adverb. There are many common phrases which make use of the word, as well as a number of compounds incorporating it
 

Sensual kissing is an inspiring foreplay to intimate fucking.


Fuck - Fucking

Explicit Sex Reflection


The Term Fuck in Everyday Language
The word's use is considered obscene in social contexts, but may be common in informal and familiar situations. It is unclear whether the word has always been considered vulgar, and if not, when it first came to be used to describe (often in an extremely angry, hostile or belligerent manner) unpleasant circumstances or people in an intentionally offensive way. In the modern English-speaking world, the word FUCK is often considered highly offensive. Most English-speaking countries censor it on television and radio.
The term FUCK remains a taboo word to many people in English-speaking countries. It was the writer D. H. Lawrence who in 1928 broke this taboo for his then novel. In LADY CHATTERLEY'S LOVER he used FUCK permanently and very self-evident.






Fuck

A Poem by D. H. Lawrence


"To make sex a dirty thing is the crime of our time.   
We need love and devotion to us and in sex,
because fucking is a sacrament of joy."



The exploration of the naked female body and 
the fondling of breasts with lips is true delightful for every man.


The English writer David Herbert Lawrence (1885-1930) has in his work among other things also worked intensively with the topic of sex. Perceived as a scandal in his novel "Lady Chatterley's Lover" (1928) he used repeatedly to publicly the scorned terms "fuck", "fucked", "fucking". The term "fuck" aka "fucking" for sexual intercourse was considered to be extremely vulgar at that time and led to the exile of the novel. It took another 30 years before "fuck" - "fucking" could be officially printed for the first time.


The decoration of the naked, female body with flowers 
is part of an improvised wedding game, performed by the happy love couple. 


D. H. Lawrence in the poem about sex criticized correctly, that the most beautiful thing in the world unfortunately is often made ​​into a dirty act. The demonization and moral condemnation of physical love he perceives as a crime against humanity. With his correction he promoted a new ideal: people need love and they always live from dedication and sex.


The wedding game continues with kissing to each other.


And then comes the bombshell: Fucking is a sacrament of joy! The formulation is unusual and daring. The combination of the words FUCK - SACRAMENT - JOY is quite provocative. The writer wants to say: The act of love (fuck) is the source of life (sacrament) and serves to the joy of the people.


A sexual highlight of each love relationship is the penetration. The aroused man knows exactly that the sex-obsessed woman wants to be fucked deep.


Fucking here does not mean - only in a pornographic constricting sense - the penetration of the vagina by the penis. Rather it is here a poetic expression for the physical and spiritual union of a pair of lovers in intimate sexual activity. This also includes the sensual foreplay, the passionate climax and the delightful sequel. In this holistic sense of the act of love the fucking throws the combined love partner into heavenly spheres. And there they can shout and cheer in ecstasy.

  The classic highliht of an intimate, sexual relation is
an intense fucking in the missionary position on bed.


The religious word sacrament maybe more accurately can be replaced and better illusrated with the characterization as a gift from heaven. Then the poem - freely paraphrased by D. H. Lawrence - could be called: 

Fucking is a Heavenly Gift to Rejoice!


Erotic eye view moments for fun and relax 
belong to each sensual celebration of carnal desire.


Director Just Jaeckin produced the Lady Chatterly story in 1981 with attractive celebrities Sylvia Kristel and Nicholas Clay. Their erotic and aesthetically filmed love scenes impressively embody D. H. Lawrence' poem in a sensual way.
 

To enjoy the merging of bodies during penetration
is part of the sensual and inspiring end game after orgasm.


The Photos for illustration the poem fuck come from the D. H. Lawrence adaptation LADY CHATTERLEY'S LOVER from 1981, starring Sylvia Kristel as Lady Chatterley and Nicholas Clay as gamekeeper Mellors, directed by Just Jaeckin.


Clip LADY CHATTERLEY'S LOVER - A Sensual Celebration of Fucking


 
 Fucking is a Heavenly Gift to Rejoice!