Sonntag, 16. Januar 2011

Masturbation im Film (3) - Endlich Urlaub (2010) Kurzfilm von Jan Soldat

Was macht ein Mann, wenn er nach Arbeit und Stress allein zu Hause ist? Wonach sehnt er sich in seinem Innersten? Welche Wünsche und Fantasien beflügeln ihn dabei? Eine Kurzdoku zeigt die Antwort.

Endlich Urlaub

Kurzfilm von Jan Soldat
D 2010, 3 Minuten

Junger Regie-Student und sympathischer Filmemacher:
Jan Soldat mit dem Schalk im Nacken

Jan Soldat
Seit 2008 studiert Jan Soldat Film- und Fernsehregie an der Hochschule „Konrad Wolf“ für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Seit 2006 produzierte er mehrere Kurzfilme bei der Chemnitzer Filmwerkstatt. Darin greift der 26-jährige Themen und Situationen unserer Gesellschaft auf. Er beleuchtet Beziehungen, reflektiert Handlungen, entlarvt Klischees, macht auf Missstände aufmerksam. Mit Humor, Kreativität und Entschlossenheit
bearbeitet er ungewöhnliche Themen, die ihn interessieren und mit denen er andere bewegen will. Berührungsängste mit heiklen Themen und gesellschaftlichen Tabus kennt er nicht. Dafür dokumentiert er in den Filmen seine Experimentierfreudigkeit mit einer Prise Ironie und subtilem Witz. Wer ein Gespür dafür hat, wird sich an seinen Filmen erfreuen.

Ein ungewöhnliches Urlaubs-Projekt Zur Realisierung eines Filmprojektes gehört immer eine kreative Idee und geeignete Protagonisten. Jan Soldat wollte einen Film machen und darin unbedingt expliziten Sex darstellen. Dafür suchte er einen geeigneten Akteur. Er fand ihn in Dieter, der ohne Hemmungen zum Sex vor der Kamera bereit war. Schnell waren sich Regisseur und Akteur einig, dass es beim Sex um das gesellschaftliche Tabu-Thema Masturbation gehen sollte. Es dauerte noch eine ganze Weile bis das ungewöhnliche Projekt Endlich Urlaub realisiert werden konnte. Die Einzelheiten schildert Jan Soldat in einem Interview zum Kurzfilm, das REAL SEX MAINSTREAM im nächsten Post veröffentlicht.

Kreative Spiele mit dem Penis in ENDLICH URLAUB

Drei Dinge braucht ein Mann
Wie reagiert ein Mann, der allein zu Hause ist und den die Lust zur Selbstbefriedigung überkommt? Er gibt dem natürlich-sexuellen Begehren nach, legt sich nackt und gemütlich hin, greift nach seinem Schwanz und holt sich ganz selbstverständlich einen runter. Jan Soldat ist dabei, als der Mann sein individuelles Masturbations-Programm absolviert. Und er dokumentiert es für die Zuschauer mit der Kamera. Drei Hilfsmittel kommen zum Einsatz: Das Bett, die Badewanne, ein Dildo. Drei Do-It-Yourself-Aktionen nehmen ihren Lauf: Wichsen, Urinieren, Dildoreiten. Drei Charakterzüge offenbart der Protagonist beim Onanieren: Mut, Ausdauer und stillen Genuß.

Endlich Urlaub
Jan Soldats Kurzdoku ist ein gelungenes Beispiel für explizites Experimentieren mit Sex. Wie der Mann im Film verschiedene Stellungen und Praktiken beim Onanieren ausprobiert, so ähnlich ist es vermutlich auch im realen Leben vieler Männer. Das Spielen mit dem Penis und am eigenen Körper gehört ebenso dazu wie die Sehnsucht und Entschiedenheit, beim Akt der Selbstbefriedigung dranzubleiben und bis zum Höhepunkt durchzuhalten.

Eregierter Penis -
heimlicher Star in ENDLICH URLAUB

Das Urinieren in der Badewanne ist wagemutig. Ohne Frage ist diese Szene die provokanteste im Film. Aber sie ist so dezent unprovokativ gefilmt, dass sich der emotionale Widerstand dagegen in Grenzen hält. Und sie ist eine Geschmacksfrage im doppelten Sinn des Wortes.
Die Ejakulation ist bei echter Masturbation ein filmisches „muss“. Dabei widerstehen die Beteiligten der Versuchung gängigen Pornoklischees zu folgen. Explizit und unaufdringlich kommt das Sperma. Dezent fügt sich die sanfte Klimax in die Gesamthandlung der verschiedenen Wichs-Aktionen ein.

Der Kurzfilm macht ehrlicherweise deutlich, dass die Selbstbefriedigung mit dem Samenerguss noch nicht zu Ende ist. Die zelebrierte und erlebte Lust soll fortgesetzt, "will tiefe Ewigkeit" (Nietzsche) werden. Ein künstlicher Penis verlängert den Akt der Masturbation. Im leisen Reiten auf dem anal eingeführten Dildo trägt ein sanfter Rhythmus den Mann in den Alltag hinein. In tiefer Einheit mit sich selbst schaut er aus dem Fenster. Er spürt die Sehnsucht, die ihn in die Freiheit führt. Still genießt er den Blick in die Weite. Er hat jetzt Endlich Urlaub.

Jan Soldats Lieblingsszene in ENDLICH URLAUB

Fazit

Jan Soldat fokussiert mit der Masturbation ein natürliches Ur-Phänomen der Menschheit, das in Filmen lange tubuisiert wurde. Der gesamte Kurzfilm strahlt eine innere Ruhe aus und lädt zum Verweilen ein. Er macht auch die Anstrengung deutlich, die beim Do It Yourself erforderlich ist. Und er zeigt ironisch-humorvoll wie kreatives Wichsen aussehen und ablaufen kann. Die Deutung des Onanierens als Urlaub und Erholung vom tristen Alltag ist eine erfrischende Sichtweise auf die wohl am meisten praktizierte sexuelle Handlung.

PornFilmFestival Berlin
Beim Berliner PornFilmFestival 2010 wurde Endlich Urlaub mit dem ersten Preis des Kurzfilmwettbewerbs ausgezeichnet.

Jan Soldat - Andreas Fischer - Manuela Kay
Preisübergabe für den Besten Kurzfilm ENDLICH URLAUB

Auf vielfachen Wunsch von Teilnehmern wiederholt das Festival unter dem Thema Fun-Porn einige Filmbeiträge des letztjährigen Festivals, darunter auch Endlich Urlaub.

21. Januar 2011, 22 Uhr, Kino Moviemento, Berlin
22. Januar 2011, 22:15 Uhr, Thalia Kino, Dresden

Link:

http://www.pornfilmfestivalberlin.de/pff/?p=1746

Keine Kommentare: