Donnerstag, 27. Januar 2011

Sex und Subversion (3) - „Gewalt, Lust und Terror“ - Leseprobe von Marcus Stiglegger

REAL SEX MAINSTREAM präsentiert eine Leseprobe aus Sex und Subversion - Pornofilme jenseits des Mainstreams. Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers Marcus Stiglegger veröffentlichen wir den ersten Abschnitt seines Beitrages Gewalt, Lust und Terror. Wer alle Aspekte der Entwicklung von Pornografie und Gewalt im Kino der 1970er Jahre bis heute erfahren will, kann den vollständigen Beitrag des Autors in dem im Bertz+Fischer Verlag erschienen Band Deep Focus 11 ab Seite 87 nachlesen.

Sex und Subversion
Pornofilme jenseits des Mainstreams

Oliver Demny / Martin Richling (Hg.)
Sex und Subversion
Verlag Bertz+Fischer
Artikelnummer 978-3-86505-312-1
Preis 19,90 Euro

Marcus Siglegger ist Publizist, Filmwissenschaftler und Filmemacher. Er wurde 1999 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Fach Filmwissenschaft mit der Studie Sadiconazista – Faschismus und Sexualität im Film promoviert und habilitierte sich 2006 mit Ritual und Verführung.
In seinem Beitrag Gewalt, Lust und Terror zeigt der Autor, dass der Spielfilm sowohl das Medium ist, in dem extreme Pornografisierungstendenzen reflektiert werden, als auch Plattform, die die Gewaltpornografie popularisiert.


Leseprobe

Gewalt, Lust und Terror -

Pornografie und Gewalt

im Kino der 1970er Jahre bis heute

von Marcus Stiglegger

Aggression, Gewalt und Sexualität begleiten die audiovisuellen Medien von ihren Anfängen. Waren explizite sexuelle Darstellungen zunächst auf die private Vorführung in den Hinterzimmern von Herrenclubs beschränkt, waren Nacktheit und Blutvergießen in der Zeit des Stummfilms auch in großen Hollywoodepen zu beobachten. Erst mit der Einführung des selbstauferlegten Zensursystems (des Hays-Codes) 1930 fielen diese Darstellungen unter ein Abbildungsverbot. Obwohl vor allem das europäische Kino gelegentliche Vorstöße wagte und regelmäßig Skandale verursachte, konnte sich die explizite Pornografie erst mit der Abschaffung des Hollywood-Codes 1967 und der Einführung des X-Zertifikats in den urbanen Kinos etablieren, eine Entwicklung, die den gesamten westlichen Distributionsraum betraf. Fortan wurden industriell erotische und pornografische Filme produziert – von Schweden über Frankreich, Deutschland bis in die USA. Und während in anderen Kinotraditionen (Japan, Mexiko) die enge Verflechtung sexueller und gewalttätiger Darstellung bereits in den 1960er Jahren üblich war, hielt diese Tendenz auch in den westlichen Pornofilm Einzug. Inspiriert von den sogenannten „roughies“, also brutalen Exploitationfilmen des B-Kinos, die nicht selten um Vergewaltigung, Sklaverei und Tortur kreisten, wurden bereits ab 1970 auch Hardcore-Filme gedreht, die mit den Mitteln des Hardcorefilms sexualisierte Gewaltakte auf die Leinwand brachten. Darunter waren Genrevarianten wie ‚A Dirty Western’ oder pornografische Thriller wie ‚Forced Entry’. Vergewaltigungsszenen waren im amerikanischen Hardcorefilm der 1970er Jahre bald ein Standard und tauchten auch als Beiwerk auf (Abel Ferraras ‚Nine Lives of a Wet Pussy’, Gail Palmers ‚Hot Summer in the City’).

VIELEN DANK,
Marcus,
für die freundliche Genehmigung
zur Veröffentlichung der Leseprobe!

Quelle: Bertz+Fischer Verlag, Berlin
http://www.bertz-fischer.de/sexundsubversion.html

Keine Kommentare: