Samstag, 10. Dezember 2011

Hotel Desire - Hotel-Sex als Wellness-Therapie

Der Start von HOTEL DESIRE am 7. Dezmber findet ein lebhaftes Echo in den Medien. Hier folgen Auszüge aus einem Beitrag von Christoph Cöln in WELT°ONLINE vom 09.12.2011.

Sergej Moyas Porno HOTEL DESIRE gilt schon jetzt als Skandal-Film. Dabei ist das Aufregendste an dem Werk das Geschäftsmodell, das dahinter steckt.

Spontaner Hotel-Sex
als Wellness-Therapie




Spontansex in HOTEL DESIRE -
Saralisa Volm & Clemens Schick

Expliziter Sex als Spielfilm-Höhepunkt
Sex im Film ist normalerweise nun wirklich nichts Besonderes. In "Hotel Desire" ist das anders. Der Sex zwischen dem Zimmermädchen Antonia und dem blinden Maler Julius ist im wahrsten Sinne der Höhepunkt des 38 Minuten dauernden Erotik-Dramas.
Denn der Akt wird in aller Deutlichkeit gezeigt. Da stoßen Körper zärtlich aneinander, wechseln die Positionen im Minutentakt. Lustvolles Gestöhne und sanft ausgeleuchtete Geschlechtsteile inklusive.

Autor und Regisseur Sergej Moya

Sex als Ausdruck menschlicher Lebensfreude

Der Berliner Sergej Moya wollte mit "Hotel Desire" einen Film machen, "der es sich zur unbedingten Aufgabe macht, Sexualität in ihrer Totalität als Ausdruck menschlicher Lebensfreude zu ikonisieren", wie es auf der Homepage des Projekts heißt. Kein geringer Anspruch für einen erst 23-jährigen Regisseur. Der Film feierte in Berlin Premiere, ist aber auch auf videoload.de zu sehen.

Authentischer, echter Sex

Tatsächlich gelingt es Moya, eine unterhaltsame, dicht gesponnene Anekdote voller Leidenschaft zu inszenieren, die mit hervorragenden Akteuren glänzt. Selbst Hochkaräter wie Herbert Knaup, Jan-Gregor Kremp oder Frederik Lau tauchen mal eben in Nebenrollen auf.
Im Mittelpunkt stehen aber die Protagonisten bzw. ihr Sex. Es soll alles "echt" sein. Authentizität lautet das Zauberwort, Liebe ungeschminkt. Moya sagt, er wolle "echten Sex" zeigen, "ohne die verschämten Schnitte, die man aus Hollywood-Produktionen kennt". Am Set ging es dementprechend heiß zu. Allerdings wurden die Schauspieler bei den Penetrations-Szenen wohl von Körper-Doubles vertreten, wie die "Bild"-Zeitung berichtet. Das ist dann wiederum nicht ganz so authentisch, wie die Macher behaupten.

HOTEL DESIRE ist ein "porNEOgrafischer Spielfilm"
Doch glaubt man Regisseur Moya, geht es sowieso nur darum, für das Allerwelts-Bedürfnis nach Sex endlich einen adäquaten Ausdruck im Film zu finden. "Angeblich denken Frauen über den Tag verteilt im Schnitt alle 60 Sekunden an Sex, Männer alle 52 Sekunden. Sowohl der reale, als auch der imaginäre Sex sind elementarer Bestandteil unserer Lebensqualität", sagt Moya. Deshalb soll "Hotel Desire" mehr sein als nur Pornografie im Hochglanz-Format: Nämlich "ein porNEOgrafischer Spielfilm", wie es im Untertitel heißt.

Zwei Träumer überschreiten gesellschaftliche Regeln

Saralisa Volm, die bereits in den Filmen des großen deutschen Underground-Regisseurs Klaus Lemke zeigen durfte, was sie hat, und Clemens Schick spielen zwei Fremde, die sich in einer Hotel-Suite treffen, um sich spontan ihrer Lust hingeben.
Zugegeben, die Geschichte ist banal: Seit sieben Jahren hat das Zimmermädchen Antonia keinen Sex mehr gehabt. Überfordert von ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter und dem Job im Hotel, stößt sie auf den blinden Maler Julius Passus. Der ist frustriert von der Heuchelei des Kunstbetriebs und hadert mit seiner Behinderung. Zwei Träumer, die sich in der Überschreitung gesellschaftlicher Regeln Erleichterung verschaffen. Spontan-Sex als Wellness-Therapie.

Vorläufer von Pornoszenen im Spielfilm

Man kennt dieses Motiv aus Filmen von Pedro Almodovar, Michael Winterbottom
oder Lars von Trier. Und auch die explizite Darstellung von Pornografie im Spielfilm ist so neu nicht. Patrice Chèreaus "Intimacy" schreckte bereits 2001 das internationale Publikum mit Hadcore-Sex-Szenen auf. Und selbst in Deutschland hat RP Kahl mit seinem anarchischen Erotik-Drama "Bedways" Penisse und Vaginas bereits im Spielfilm etabliert. Bei Moya ist das zwar wesentlich hübscher anzuschauen, letztlich kommt er aber auch nicht ohne die üblichen Weichzeichner-Filter und einen kitschig romantischen Streichersound aus.

Neu ist die Finanzierung durch Crowdfunding

Wirklich "Neo", also neu, ist bei "Hotel Desire" etwas ganz anderes. "Crowdfunding" lautet das andere Zauberwort, das über dem Film schwebt. Moya ist mit seinem Film nämlich nicht den konventionellen Weg über die Fleischtöpfe bundesdeutscher Filmförder-Institute gegangen, sondern hat private Kleinanleger zur Spende über das Internet aufgerufen.
So wurde "Hotel Desire", an dem auch Nico Hofmanns Produktionsfirma "teamworx" beteiligt ist, hauptsächlich mit Hilfe Tausender anonymer Filmfreunde finanziert. Die leisteten auf der Homepage des Projekts ihren Obolus und bekamen dafür immer mehr Teile des Drehbuchs zu Gesicht. Peu à peu wuchs der Film mit jedem Euro.

Sergej Moya der kreative Visionär

Diese Art der Finanzierung ist nicht nur mutig, sie könnte die zementierten Regeln des Geschäfts dauerhaft verändern. Hier hat ein junger Filmemacher seine ganz spezielle Vision von einer Geschichte mit Hilfe des Internets einfach verwirklicht. Ganz spontan. So kann man sich die neuen Medien in der Tat clever zunutze machen, ohne erst lange um die Gunst staatlicher Gremien buhlen zu müssen.
Zugleich erfüllt Moya den Anspruch auf Authentizität in überzeugender Weise mit jeder Menge Eigeninitiative und Überzeugungsarbeit. Es könnte das Geschäftsmodell der Zukunft werden. Nicht nur im Film.

Quelle WELT°ONLINE
http://www.welt.de/vermischtes/article13759484/Spontaner-Hotel-Sex-als-Wellness-Therapie.html

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